Was ist Hyperaktivität oder ADHS?

„Als Hyperaktivität wird ein Verhalten bezeichnet, das sich als übermäßig impulsiv und unangemessen darstellt und als eine psychische Störung verstanden wird“

Wikipedia

Leider werden viele Jungs zwischen 8 und 14 als auffällig beschrieben. Sie sind unruhig, zappeln, quatschen in den Unterricht und machen allerhand Sachen, die die Lehrer und auch die Eltern zur Verzweiflung bringen. Naturgemäß führt das zu Problemen. In der Regel reagieren die Lehrer mit Einbestellen der Eltern, mit Ausschluss aus dem Unterricht und mit Einleitung eines schulischen Verfahrens. Empfohlen werden Schulbegleiter, Tagesklinik, Verhaltenstherapie und ähnliches. Man vermutet auch Erziehungsfehler. Die Eltern beobachten nun ihren Zögling genauer, finden vieles wieder, ärgern sich über Nachlässigkeiten und Abgelenktheit, Ärgern sich über das Trödeln beim Zähne Putzen und Fertigmachen für die Schule. Mit anderen Worten, der „arme“ Junge wird zum Zankapfel und Problemfall, was das Problem nicht eben leichter macht.

Hier kommt Neurofeedback ins Spiel. Oder besser gesagt, eine Kombination aus Neurofeedback und Psychoedukation oder Verhaltenstraining. Oft muss auch die Familie seelisch unterstützt werden.

Das ist mein Job!

Was ist Hyperaktivität physiologisch betrachtet?

Nun: Im EEG Feedback oder Neurofeedback misst der Therapeut in einer Eingangssitzung die Gehirnaktivität des Kindes, an Cz, also mitten auf dem Kopf, oder, wenn er die technischen Möglichkeiten besitzt, an 19 Ableitungspunkten.

Was kann man sehen?

Hyperaktivität zeigt drei unterschiedliche Gesichter:
  1. Theta Typ
  2. Typ 2
  3. High Beta Typ

Theta Typ

Die Köpfe sind stilisiert, Nase vorne. Die Frequenzen werden im EEG zwischen1 und 40 Hz gemessen. Wir sehen hier 1-15 Hz.

Typisch ist die Gelb- und Rotfärbung zwischen 4 und 6 Hz, vor allen Dingen frontal. Das bedeutet, das Gehirn weist frontal eine Unterfunktion auf. Gleichzeitig ist bei 9 und 10 Hz am Hinterkopf die Farbe blau. Das heißt, es gibt zu wenig Ruhe- oder Alphaaktivität. Das ist der klassische Befund bei ADS und evtl. bei ADHS. Das Gehirn erhält zuwenig Treibstoff, Dopamin. Die Aufmerksamkeit ist bei spannenden Sachen sehr gut. Das Kind ist sogar hyperfokussiert z.B. beim Spielen von Minecraft. Das bedeutet, man spricht es an, aber es reagiert nicht. Bei langweiligen Tätigkeiten sackt die Aufmerksamkeit aber ab. Das Kind folgt dem Unterricht nicht und träumt oder stimuliert sich durch Quatschen oder Bewegung.

Nicht ungewöhnlich. Bei sehr schnellen Frequenzen ist das Gehirn überaktiviert. Diese Frequenzen hängen eng mit dem Bewusstseinszustand zusammen. Wenn jemand hyper ist, also zappelig und unruhig, ist es oft im High Beta Rhythmus, also so wie oben, überaktiviert oder, wie aufgedreht: „on the edge“

Der gleiche Junge nach der Therapie. Grün bedeutet: normal. Wir sehen, die Auffälligkeiten sind verschwunden.

Therapiedauer 40 Sitzungen:

  • 10 Sitzungen zum Erlernen der Selbststeuerung
  • 10 Sitzungen zur Automatisierung
  • 10 Sitzungen in Kombination mit Lernaufgaben, um eben dann wach zu sein, wenn es drauf ankommt
  • 10 Sitzungen

Ohne Feedback, Lernen, aber unter EEG Kontrolle. Ist das Kind nun in der Lage, wach und konzentriert zu bleiben.

Das war der so genannte Theta/Beta Typ mit EEG Verlangsamung

Typ 2

Hier finden sich vorne am Kopf hohe Alpha Frequenzen zwischen 8 und 10 Hz.

Dieses Kind ist friedlich in seinen schlechten Schulleistungen. Es träumt. Es reagiert nicht auf schlechte Noten. Es wirkt wie unter Drogen. Und wirklich ist einer der Antriebe zu Drogenkonsum der Wunsch: Alpha zu erhöhen.

Umgekehrt kann man Sucht bekämpfen durch ein Training der Alphafrequenzen. Dann aber werden diese herauf trainiert.

Wir sehen hier Alphafrequenzen, die bei den Zahlenwerten unterhalb des Roh EEG zwischen 8 und 10 Hz gemessen bei 20 mV liegen, also in etwa so viel Power wie die Theta Frequenzen haben.

Gemessen wurde an Cz. Cz ist ein Punkt im Zentrum des Kopfes. Er ist bedeutsam, weil er ein HUB oder Knotenpunkt vieler neuronaler Netzwerke ist, von dem aus man diese Netzwerke auch trainieren kann.

Der Alpha Typ ist nun der typische Schluffi. Er lernt ungern. Schlechte Noten sind ihm im Grunde egal. Er wirkt lethargisch und unmotiviert, aber: es geht ihm gut.

Dieser Typ ist schwierig zu trainieren, auch auf Methylphenidat spricht er nicht besonders gut an. Das liegt daran, dass hohe Alpha Frequenzen oftmals mit einem angenehmen mentalen Zustand einhergehen. Das Gehirn ist beim „Mittagessen“. Mit Kiffen oder Alkohol versucht der Mensch, sich Alphazustände zu erkaufen. Der Nachteil: auf den Rausch erfolgt eine Zunahme von High Beta Frequenzen und die könnte man auch mit quälender Unruhe bezeichnen.

High Beta Typ

Wir sehen hier Beispiele. Es handelt sich nicht um frontales High Beta oder Beta Spindeln, man sollte aber wissen, dass die Geschwindigkeit des EEG vorne höher liegen sollte als hinten und links höher als rechts

Außerdem, dass exzessives Denken und kognitiver Stress sich in hohen Beta Frequenzen zeigen, wie auch Angst. Wir sehen in den Messungen, oben, parietal in der dominanten Hemisphäre, etwa BA 7 und BA 40 eine hohe Beta Aktivität. Dargestellt wird hier farblich. Grün ist so eingestellt, dass Aktivität innerhalb von 2 SD, die 95% aller Menschen beinhalten, grün dargestellt werden. Wenn die Abweichungen von der Norm über 3 SD liegen, färbt sich die betreffende Region rot.

Man kann dort von Aufmerksamkeitsproblemen ausgehen, aber auch von Problemen in der schriftlichen Sprache.

Das zweite Bild zeigt eine NeuroNAVIGATOR Aufnahme. Das sind mathematische Berechnungen aus den gemessenen Oberflächenaktivitäten ins Innere des Gehirns. Diese Berechnungen sind erstaunlich genau.

Verglichen wird die Aktivität mit den Normwerten aus einer Datenbank und dann wird, eingestellt von mir auf 2 SD, alles, was über 2 SD (Standardabweichungen) liegt, eingefärbt. Grün war hier ein relativ geringer Abweichungswert von 2 SD. Rot eingefärbt werden alle auffälligen Brodmann Areale. Das sind die Areale, die dann im Training trainiert werden. Dieses Training geht so, dass jede Annäherung an die Normwerte belohnt wird, durch z:B. das Funktionieren eines Spiels und jede Entfernung „bestraft“ wird durch Stoppen des Spiels.

Die Auffälligkeit zeigt sich hier im Thalamus und geht hoch über die Bas 198u,19, aber auch 40. Jedes Brodmann Areal ist mit bestimmten Funktionen belegt, die in immer wieder anderen Netzwerken variieren können.

Im dritten Bild sehen wir eine Übersichtsaufnahme hoher Frequenzen in Bezug auf Dyskalkulie.

Der ADS Typ 3 High Beta ist unruhig und auch kognitiv überschäumend. Anders als der Typ 1 benötigt er die motorische Unruhe nicht, um sein Gehirn wach zu machen. Er ist überdreht/"on the Edge" und agiert diese Unruhe auch aus.

In der Klasse ist er schwer mit Ihm umzugehen.

Auf Methylphenidat reagiert er oft mit Nebenwirkungen wie Depression oder Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit etc.

Warum?

Wenn ich schon „drüber“ bin, macht eine zusätzliche Powergabe mich nicht besser. Es gibt ein optimales Leistungsfenster in dem man agiert, dieses ist in der Mitte. Zu viel Stress und zu wenig Stress sind beide unangenehm.

Die Fähigkeit zu variieren ist der Schlüssel zum Wohlbefinden. Oftmals hängt das Gehirn des Gestressten oder auch des ADSlers in einem Frequenzmuster fest. Das verursacht Starre und immer gleiches Verhalten. Auch dort gibt es Verstärkung. Die immer gleiche, ablehnende Reaktion der sozialen Umgebung verstärkt dieses Verhalten eher. Ein Strukturieren des Alltags, ein Gewähren von Pausen, eine Zurücknahme des Drucks kann hier auch hilfreich sein.

Oft sind Familien nur noch mit dem Problemkind und dessen Verhalten beschäftigt. Wie verheerend das für das gesamte Familiensystem ist, kann man sich denken. Da ist es besser, loszulassen und angenehme Dinge mit der Familie einzuüben. Die Arbeit am Symptom kann man ja an andere abgeben.